Achtzehn Teilnehmer saßen an diesem Abend um einen langen Tisch, als ich meinen ersten Aquarellkurs an der Volkshochschule besuchte, und in zwei Stunden kam die Kursleitung genau zweimal an meinem Platz vorbei. Ich hatte mir das als kreative Weiterbildung neben dem Job als UX-Designerin vorgestellt, die endlich wieder analog arbeiten wollte: einmal die Woche raus aus Figma, rein ins Pigment. Stattdessen saß ich am Ende vor einer matschgrünen Fläche und einer Kante, die viel zu hart geblieben war, ohne dass mir jemand erklärt hätte, warum. Zeichnen lernen in der Gruppe klingt nach einer guten Idee, bis man merkt, wie wenig Einzelkorrektur bei achtzehn Leuten und einer einzigen Kursleitung überhaupt möglich ist.
Kurz zur Offenlegung, bevor es weitergeht: Dieser Artikel enthält Affiliate-Links zu Kursen, die ich selbst am Küchentisch getestet habe. Kaufst du über einen dieser Links, bekomme ich eine Provision, ohne dass sich dein Preis ändert. Ich verlinke ausschließlich Anbieter, bei denen ich mindestens vier Wochen lang wirklich mit Pinsel und Palette gesessen habe, nicht nur die Verkaufsseite überflogen.
Der Irrglaube: Wer zeichnen kann, kann auch einfach malen
Der Grund, warum ich nach dem Volkshochschul-Abend online weitergesucht habe, hängt mit einem Missverständnis zusammen, das mir seitdem ständig begegnet: die Annahme, Aquarell sei einfach eine neue Farbschicht über vorhandenem Zeichenkönnen. Wer Proportionen und Schraffur schon im Griff hat, müsste doch auch mit Wasserfarbe zurechtkommen — das habe ich selbst geglaubt, bevor die Kontrolle über Wasser und Pigment sich als eine komplett eigene Fertigkeit entpuppt hat. Die beiden Dinge haben so viel gemeinsam wie ein fertiges Wireframe mit dem fertigen visuellen Design: verwandt, aber nicht dasselbe Handwerk. Für erfahrene Zeichner lohnt sich deshalb ein Kurs, der die Wasserkontrolle von Grund auf systematisch aufbaut, statt nur hübsche Endergebnisse in der Vorschau zu zeigen.
Zwischen Bildschirm und Blatt liegt ohnehin eine größere Lücke, als die meisten Leute aus der Digitalbranche zugeben. Wie groß genau, habe ich in meinem Bericht über analoge Skizzen auf Papier für Designer einmal komplett aufgedröselt. Für Aquarell kommt erschwerend hinzu, dass viele gute Kurse auf Englisch laufen, was für jemanden, der abends nach acht Stunden Video-Calls noch konzentriert einer Lektion folgen will, eine echte Hürde sein kann. Das ist aber ein eigenes Fass, das ich hier nicht aufmache.
Woran erkennt man einen Aquarellkurs mit echter Substanz?
Als UX-Designerin behandle ich Kursplattformen wie ein Produkt-Audit: Ich schaue mir an, wie lange ein Anbieter überhaupt schon aktiv ist und wie viele Leute ihr Geld zurückverlangen.
Beim Aquarell Online Kurs ist mir eine Zahl besonders aufgefallen: Die Rückgaberate liegt bei 0,59 Prozent, während viele digitale Kurse zweistellige Quoten haben. Der Anbieter ist seit über vier Jahren auf der Plattform aktiv, was für Kontinuität statt Eintagsfliege spricht. Ein Kurs, der diesen Namen verdient, muss außerdem den Unterschied zwischen einer Lasur und reinem Farbauftrag erklären können, ohne dabei zur Kunstgeschichtsstunde zu werden — mehr an technischer Tiefe gehört für mich nicht in einen Vergleichsartikel, sondern in den Kurs selbst.
Wie man den Preis eines Kurses sauber pro Lektion umrechnet, ist eine eigene Rechnung, die ich in einem anderen Vergleich einmal komplett durchgespielt habe — hier reicht der Hinweis, dass ein niedriger Einstiegspreis nicht automatisch die günstigere Option ist, wenn die Hälfte der Lektionen nur Zeitverschwendung ist. Ein zweiter Faktor, den viele unterschätzen, ist das Material: Papier unter 300 Gramm pro Quadratmeter wellt sich zuverlässig, egal wie gut die Videoanleitung ist. Wenn ich einen neuen Block aufschlage, riecht das Papier noch leicht nach Holz und ein bisschen staubig, und genau in diesem Moment merke ich jedes Mal, ob die Qualität stimmt oder nicht.
Masterkurs oder schnelle Impulse – zwei unterschiedliche Wege
Zwei Wege stehen offen, wenn man sich für einen dieser Kurse entscheidet, und beide haben ihre Berechtigung, je nachdem, wie viel Zeit im Kalender wirklich frei ist.
Wer sich auf ein lineares Curriculum einlässt, findet im Menschen Zeichnen Masterkurs einen zwölfwöchigen Aufbau, der bei den Proportionen anfängt und sich langsam zum fertigen Portrait vorarbeitet — kein Kurs für zwischendurch, eher ein Bootcamp für die Hand-Auge-Koordination. Wer zwischen zwei Terminen nur eine Viertelstunde Luft hat, greift eher zum Skizzen Video-Kurs, der auf schnellen Output statt auf System setzt und dafür die niedrigste Einstiegshürde der ganzen Auswahl hat.
Das berührt bereits die grundsätzliche Format-Frage bei Online-Zeichenkursen – Video gegen Live-Betreuung gegen App –, die für sich genommen einen eigenen Test verdient. Beim Skizzen Video-Kurs gibt es dafür kein durchgehendes Curriculum, sondern einzelne Impulse, und die Rückgaberate liegt mit 1,72 Prozent etwas höher als bei den anderen Kandidaten in dieser Auswahl, für die Preisklasse aber immer noch niedrig.
Warum Leserinnen wie Nadja immer dieselbe Frage stellen
Nadja Osterberg hat mir nach einem früheren Aquarell-Vergleich geschrieben, und ihre Fragen waren sehr konkret: wie viele Wochen der Kurs wirklich dauert, wie eine einzelne Lektion aufgebaut ist, wo sie am besten einsteigt. Genau diese Fragen treffen den Kern des Irrglaubens aus der Überschrift: Sie ging davon aus, dass mehr Lektionen automatisch mehr Fortschritt bedeuten. Wie viele Videos ein Kurs hat, sagt aber wenig darüber, ob eine Technik hängen bleibt oder nur einmal angeschaut und dann vergessen wird.
Neulich habe ich einer Kollegin in einem Meeting den kompletten Ablauf eines Nutzertests nur mit ein paar schnellen Strichen auf einem Block erklärt, ohne eine Sekunde zu überlegen, ob die Linien überhaupt zu etwas Erkennbarem werden — das war der Moment, in dem mir klar wurde, wie viel selbstverständlicher der Stift inzwischen in der Hand liegt. Für mich war die Umstellung, wie ich es in meinem Text über Aquarell als Ausgleich zum UX Design beschrieben habe, weniger ein Hobby nebenbei als ein bewusster Ausgleich zum Bildschirm, der handwerklich etwas verlangt.
Peer Holtmann, ein Kollege aus früheren UX-Projekten, schickt mir bis heute unkommentiert Links zu kostenlosen Zeichenressourcen, wenn er beim Scrollen über etwas stolpert, das zu meinem Küchentisch-Projekt passt. Der Tisch selbst ist aus Eiche, tagsüber fällt Licht von der Straße herein, abends übernimmt eine Tageslichtlampe den Job, und links vom Laptop stapeln sich Blöcke in zwei Formaten neben einem Becher mit Bleistiften in drei Härtegraden. Wie man sich eine realistische Übungsroutine neben einem Vollzeitjob überhaupt einrichtet, ist nochmal ein eigenes Thema; bei mir läuft es in der Praxis auf drei kurze Blöcke pro Woche hinaus statt auf einen langen Sonntagnachmittag.
Den passenden Kurs nach Vorwissen wählen
Wer Menschen zeichnen will, sollte nach meiner Erfahrung zuerst den Masterkurs durcharbeiten und erst danach Farbe hinzunehmen, weil sich Proportionsfehler unter nasser Farbe nur noch schwerer korrigieren lassen.
Für den ersten Kontakt mit Formen und Linien reicht dagegen der Zeichnen Lernen Kurs, quasi das Wireframe-Stadium, bevor überhaupt über Farbe nachgedacht wird.
Die eigentliche Farbarbeit ist der Grund, warum der Aquarell Online Kurs meine Empfehlung bleibt — nicht weil er der bekannteste ist, sondern weil die niedrige Abbruchquote und die lange Zeit am Markt für einen Anbieter sprechen, der sein Handwerk versteht. Es ist keine Investition, die sich an einem Nachmittag auszahlt, sondern eine, die einem hilft, ruhiger an die Fläche heranzugehen, auch wenn der Bildschirm aus bleibt und nur Papier und Pinsel übrig sind. Wenn du wie ich aus der Digitalwelt kommst und die Kontrolle über den analogen Strich zurückwillst, ist das der Kurs, mit dem ich anfangen würde.