
Ein Klick macht in Figma jede Linie rückgängig; ein Tropfen Wasser auf Aquarellpapier tut das Gegenteil, er bleibt, breitet sich aus und entscheidet mit. Genau dieser Unterschied macht Aquarell für mich als UX-Designerin nicht zum entspannten Ausgleich, sondern zur härtesten Übung im Loslassen, die ich seit Jahren gemacht habe.
Bevor es weitergeht, ein kurzer Hinweis: Diese Seite enthält Affiliate-Links. Wenn du über einen dieser Links einen Kurs kaufst, bekomme ich eine Provision, ohne Mehrkosten für dich. Ich empfehle hier nur Formate, die ich selbst über mehrere Wochen am Küchentisch durchgearbeitet habe, keine Kurse, die ich nur aus einem Werbevideo kenne.
Warum Aquarell für UX-Designerinnen kein Ausgleich ist, sondern Stress
Fünfzehn Jahre lang habe ich ausschließlich digital gearbeitet, Figma, Miro, Auto-Layout, Grids, die sich per Tastenkombination korrigieren lassen. Anfang 2023 hat ein Kollege in einem Meeting kurz etwas auf Papier skizziert, und ich habe gemerkt, dass ich selbst keine erkennbare Person mehr zeichnen konnte. Seit rund drei Jahren übe ich seitdem, das wieder hinzubekommen, mit wechselndem Erfolg.
Mein bisheriger Weg dahin ist in einem Audit der besten deutschen Online-Zeichenkurse dokumentiert, dort ging es vor allem um Bleistift und Struktur. Aquarell ist nochmal eine andere Liga: Die fehlende Kontrolle über den Wasserverlauf befeuert den Kontrollzwang aus dem UI-Design eher, als dass sie ihn abbaut. Läuft im Browser ein Grid aus dem Raster, korrigiere ich den CSS-Wert in Sekunden. Läuft auf dem Blatt die Farbe weg, muss ich damit arbeiten, ganz ohne Undo.
Kindle-Zeichenbücher ohne Feedback: mein erster Fehlversuch
Vor dem ersten bezahlten Kurs habe ich es mit Zeichenbüchern auf dem Kindle versucht, mit fester Übungsreihenfolge und jederzeit verfügbar auf dem Sofa. Was fehlte, war jede Rückmeldung. Wochenlang habe ich dieselbe verkrampfte Stifthaltung beim Schraffieren wiederholt, weil niemand danebenstand, um es zu korrigieren. Ein E-Book merkt nicht, wenn eine Linie zittert.
Skillshare war der nächste Versuch, aber die Mitgliedschaft habe ich vor einigen Monaten wieder gekündigt, weil mir nach acht Stunden Englisch im Job abends keine Kapazität mehr für eine weitere Fremdsprache blieb. Gesucht habe ich etwas Deutsches mit klarem didaktischen Kursaufbau, das sich nüchtern durchrechnen lässt, keine losen YouTube-Häppchen. Entschieden habe ich mich für den Aquarell Online Kurs, auch wegen der Zahlen: Der Anbieter weist eine Rückgabequote von 0,59 % aus, die niedrigste in diesem Kursvergleich.
Wie ist der Aquarell Online Kurs aufgebaut?
Die ersten beiden Wochen drehen sich fast ausschließlich um Materialkunde und einfache Verläufe, kein Portrait, keine komplexe Komposition. Ich habe auf 300 g/m² Papier gesetzt, weil dünneres sich bei der Nass-in-Nass-Technik sofort wellt, ein billigerer Block ist an dieser Stelle falsch gespart.
In der fünften Woche schaute eine Bekannte, die seit Jahren in der Volkshochschule Kalligraphie übt, über meine Schulter auf eine Skizze im Notizbuch, und wusste sofort, was sie zeigen sollte, ohne dass ich ein Wort dazu sagen musste. Motive dafür suche ich inzwischen am Rheinufer in der Altstadt, wo Kähne und Uferlicht genug Kontrast liefern, um Licht und Schatten in Aquarell zu üben. Der trockene Pinsel bleibt dort kurz an der rauen Papierfaser hängen, bevor er greift, ein Widerstand, den ich vom Bildschirm nicht kannte.
Aquarellfarbe trocknet zudem heller, als sie im nassen Zustand wirkt, ein klassisches „What you see is not what you get", das jeden UI-Designer nervös macht. Warum das genau an der Pigmentzusammensetzung liegt, ist eine Farbenlehre-Frage für sich, die ich hier nicht weiter aufdrösle.
16 Wochen im Testlauf zeigen ein klares Muster
Drei Abende pro Woche, jeweils 45 bis 60 Minuten, war mein Rhythmus über die gesamten 16 Wochen. Wie man sich diese Zeit nach Feierabend überhaupt freischaufelt, ist nochmal ein eigenes Thema für sich. Machbar war das nur, weil sich der Küchentisch schnell auf- und wieder abbauen lässt.
Für Proportionen oder Perspektive ist dieser Kurs der falsche Startpunkt, dafür eignen sich andere Formate deutlich besser. Schattierungstechnik und Bildkomposition trainierst du ebenfalls in ganz anderen Kursen, und dynamisches Gestenzeichnen mit kurzen Posen kommt bei Aquarell schlicht nicht vor, hier geht es um Fläche und Verlauf, nicht um schnelle Linien.
Aquarell oder doch lieber Bleistift? Der Vergleich zum Masterkurs
Der Aquarell Online Kurs und der Menschen Zeichnen Masterkurs verfolgen komplett unterschiedliche Ziele. Der Masterkurs ist hochanalytisch, fast wie ein technisches Handbuch für den menschlichen Körper, perfekt, wenn Anatomie und Proportionen im Fokus stehen sollen. Aquarell zwingt dich dagegen zum Loslassen, das Gegenteil von Pixel-Perfektion.
Grundlagen aus dem Zeichnen Lernen Kurs haben mir vorher als Fundament geholfen, bevor ich mich an die unberechenbaren Wasserfarben gewagt habe. Wer noch keine Basis in Licht und Schatten hat, sollte eher dort starten. Für den reinen Kontrast zum starren Grid in Figma bleibt Aquarell aber unschlagbar, weil es Fehler nicht verzeiht, sondern dich zwingt, sie ins Bild zu integrieren.
Material, Kosten und was sich wirklich lohnt
Werkzeuge rechne ich als Designerin grundsätzlich gegen den Nutzen auf. Ein guter synthetischer Pinsel hält bei ordentlicher Pflege Jahre und fühlt sich fast an wie ein präziser Stylus, reagiert aber organischer. Papier ist der größte laufende Kostenfaktor, ungefähr ein Block pro Monat für Übungen. Was das analoge Zeichnen konkret für meine digitale Arbeit bringt oder eben nicht bringt, ist wieder eine eigene Rechnung, die ich an anderer Stelle aufmache.
Wer erstmal nur schnuppern will, ob analoges Arbeiten überhaupt zum stressigen Alltag passt, findet im Skizzen Video-Kurs die niedrigste Einstiegshürde, ohne größere Investition in Farben und teure Pinsel. Für die Tiefe bei Pigmenten auf Papier führt am spezialisierten Kurs aber kein Weg vorbei.
Die komplette Preis-pro-Lektion-Rechnung über mehrere Kurse hinweg, was Video-, Live- und Mentoring-Formate tatsächlich unterscheidet, und mit welchem Grundmaterial du überhaupt starten solltest, habe ich in separaten Vergleichen aufgeschlüsselt, das würde hier den Rahmen sprengen. Genauso, wie man Fortschritt nach mehreren Monaten seriös misst, statt ihn nur zu fühlen.
Fazit: Diese eine Lektion bleibt hängen
Digitale Entwürfe sind seit diesem Test nicht direkt besser geworden, in Figma bin ich dadurch nicht schneller. Verändert hat sich meine Geduld mit Fehlern, die sich nicht per Cmd+Z löschen lassen. Die niedrige Rückgabequote des Aquarell-Kurses kommt nicht von ungefähr, die Lektionen führen so kleinteilig an die Komplexität heran, dass Aufgeben aus Frust selten wird.
Die eine Lektion, die bei mir hängen geblieben ist: Ein Fleck ist erst dann ein Fehler, wenn ich ihn nicht ins Bild integriere, vorher ist er nur eine Entscheidung. Diese Flexibilität fehlt mir im starren Arbeitsalltag oft. Wer noch unsicher ist, welcher Einstieg passt, findet im Vergleich zum Zeichnen mit Bleistift oft den ruhigeren ersten Schritt vor der Farbe.
Für alle, die wirklich einsteigen wollen, bleibt der Aquarell Online Kurs die stabilste Brücke, die ich bisher zwischen digitaler Arbeit und dem analogen Küchentisch in Pempelfort gefunden habe. Es ist kein schnelles Hobby, sondern ein Handwerk, das sich Lektion für Lektion aufbaut, ganz ohne Undo-Taste.